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Titelbild
Baltscheit, Martin:
Paul trennt sich
Bad Lippspringe: Uccello 1998
€ 12,90 (CD)

Baltscheit, Martin: Paul trennt sich

Hier kommt Doktor Paul!

von Henning Schmidt (2001)

Wochenlang streiten sich die Eltern schon. Dem Paul stinkt das ziemlich. Eines Tages ist Papa dann fort. Einfach ausgezogen! Paul lebt nun mit Mama allein. Der Papa ist zum „Telefonhörerpapa“ geworden, den Paul nur noch alle 14 Tage sehen kann. Nach einer Weile lernt Mama Georg kennen. Der Typ ist echt witzig und bringt Mama auf andere Gedanken. Auch Paul mag Georg, doch eigentlich wünscht er sich nichts mehr, als dass Papa, Mama und er wieder glücklich zusammen sind. Mama will nun mit ihm in eine andere Stadt ziehen, um näher bei Georg zu sein. Jetzt ist Eile geboten. Um die Familie zu retten, muss „Doktor Paul“ seinen ganzen Einfallsreichtum aufbieten. Eine Wiedervereinigungsmaschine wäre gut, aber die kann er nicht bauen, denn Papa hat das ganze Werkzeug mitgenommen. Auch kann er nicht wie ein Gummiband die Eltern zusammenhalten. Er müsste sich eben verdoppeln können, um es beiden Recht zu machen. Als auch das nicht klappt, unternimmt er im Traum einen letzten Versuch: „Paul trennt sich!“

Nach dem gleichnamigen Bilderbuch hat Martin Baltscheit nun auch ein musikalisches Hörspiel mit vielen Liedern gestaltet. Der Autor tritt selbst als Erzähler auf und vermittelt dem jungen Hörer einfühlsam Pauls Gefühlswirrwarr. Die Sprache des erzählten Textes ist einfach strukturiert und leicht verständlich. Daneben gibt es Dialoge von Paul, seinen Eltern und Georg. Die verschiedenen Sprecher gewähren auch Einblick in die Gedankenwelt der Figuren. Die Stimmen sind sympathisch und authentisch, was zu mehrfachem Abspielen reizt. Erzähler und Sprecher transportieren die Botschaft der Buches wertfrei und ohne Schuldzuweisungen. Die akustische Untermalung der gesprochenen Sprache verleiht dem Ganzen zusätzliche Dynamik, auf diese Weise können auch die zahlreichen Metaphern des Buches nachempfunden werden. Man hört Paul zum Beispiel in dem von Mama geweinten Tränensee in der Küche planschen oder die von fern erklingende, verzerrte Stimme des „Telefonhörerpapas“.

Die Lieder wiederholen jeweils die vorangegangenen Inhalte. Sie sind zum Teil auch selbst handlungsrelevant und stellen nicht nur eine Überleitung zur nächsten Sprechphase dar. Die Liedertexte sind verhältnismäßig komplex und für jüngere Zuhörer nicht unbedingt immer sofort verständlich, was jedoch durch die Sprechphasen aufgefangen wird. Sie stammen auch aus der Feder des Autors, ebenso wie die Musik, die erstaunliche Vielfalt bietet. Ruhige Pop-, trotzige Jazz- und temperamentvolle Salsarhythmen erleichtern es, sich emotional mit Paul zu identifizieren. Die Lieder sind Mutmacher und Seelentröster zugleich. Sie beschönigen die Realität nicht, sondern fordern auf, sich ihr zu stellen. – Es ist schade, dass die Buchvorlage nicht mehr erhältlich ist, da Hörspiel und Bilderbuch einander sehr gut ergänzen. Doch auch ohne Bilder kann sich das Hörspiel „Paul trennt sich“ gut hören und ,sehen’ lassen.