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Titel: Rico, Oskar und das Herzgebreche
Deutschland/2015
Regie: Wolfgang Groos
Buch: Adaption des gleichnamingen Romans von Andreas Steinhöfel
Drehbuch: Martin Gypkens
Musik: Robert Matt
Kinostart: 11.06.2015/DVD: 19.11.2015
FSK: ab 0 Jahre/Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Rezension
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Übersicht
Groos, Wolfgang (Regie): Rico, Oskar und das Herzgebreche
Weniger ist manchmal mehr!
Der zweite Teil der Filmreihe von Rico und Oskar

von Theresa Fischer, Sandra Scholz und Johannes Uerlichs

Rico, Oskar und das Herzgebreche ist der zweite Teil der Filmtrilogie nach den Bestsellerromanen von Andreas Steinhöfel. Nachdem Rico und Oskar den Entführer Mister 2000 die Stirn geboten haben, folgt ein weiteres spannendes Abenteuer. Anders als in Ricos Träumen stellt sich am Anfang des Films während eines Besuches seines Freundes Oskar schnell heraus, dass die Welt der Erwachsenen nicht immer einfach und friedlich ist. Ricos Mama hütet ein Geheimnis, das der gewiefte Oskar nach kurzer Zeit enthüllt und in das er seinen Freund Rico einweiht. Um der Mutter aus einem Labyrinth von kriminellen Machenschaften und Erpressungen heraus zu helfen, stürzen sich die beiden in eine detektivische Verfolgungsjagd. Unterstützt und begleitet von bunten Charakteren rückt die Enthüllung des Geheimnisses im Verlauf der Geschichte immer näher.

Ein Blick auf die Besetzungsliste und die Filmcrew erweckt hohe Erwartungen: So spielen viele aus dem deutschen Kino wohlbekannte Schauspieler mit, wie Karoline Herfurth als die Mutter von Rico, daneben Moritz Bleibtreu, Katharina Thalbach, Ronald Zehrfeld und Henry Hübchen. Ob diese Prominenz den Film jedoch automatisch aufwertet, bleibt fraglich. Der aus der Romanvorlage bekannte Illustrator Peter Schössow liefert für den Film mehrere Zwischensequenzen im Zeichentrickformat. Den passenden Soundtrack liefert die Band Madsen mit dem Song Inkognito und im Abspann sind die Sportfreunde Stiller zu hören.

Inhaltlich bleibt aber leider vieles an der Oberfläche: Die zeitlosen Themen, wie familiärer und freundschaftlicher Zusammenhalt sowie zwischenmenschliche Hilfe und Unterstützung, lassen zwar erahnen, welche Tugenden der Regisseur Wolfgang Groos dem zuschauenden Publikum vermitteln möchte. Letztlich zeigt der Film jedoch zuallererst eine kitschige und klischeebehaftete Welt. Man nehme zum Beispiel die antiquierte Darstellung der Geschlechterrollen: Die weiblichen Charaktere tragen viel Schminke, viel Schmuck, kurze Röcke, tiefe Ausschnitte und interessieren sich fast ausschließlich für Mode und Männer. Die männlichen Nebenrollen sind hingegen aktiv in das Abenteuer mit eingebunden und tragen zur Problemlösung bei. Um die Dummheit und Unterwürfigkeit von Boris (Moritz Bleibtreu) hervorzuheben, werden ihm anfangs ein Sprach- und ein Sehfehler verpasst, die er erst am Ende des Films verliert, als sich ihm eine neue Zukunftsperspektive eröffnet. Ein Lichtblick in der Reihe dieser Stereotypen ist immerhin Ricos Mutter, die im Gegensatz zu den anderen Frauenfiguren keinen Schmuck trägt, dezent geschminkt und normal gekleidet ist.

Der Grund, weshalb der Film die Auszeichnung als bester Kinderfilm im Rahmen des Deutschen Filmpreises erhalten hat, sind wahrscheinlich die Kinderdarsteller Anton Petzold und Juri Winkler. Denn es ist eine Freude, dem ungleichen Paar dabei zuzusehen, wie sie mit all ihren Begabungen und individuellen Macken immer einen Weg finden, um im Team zu agieren und Probleme zu lösen. Allerdings sind auch die Handlungen und Reaktionen der beiden Protagonisten teilweise überspitzt dargestellt; jede kognitive und emotionale Herausforderung wird vorgekaut und aufnahmebereit serviert. Offenbar wird den zuschauenden Kindern sehr wenig zugetraut, für die bleibt kaum Freiraum zum Fantasieren und Interpretieren. Das wird unter anderem deutlich, als die ernst und traurig dreinschauende Mutter in der Post steht und die Kinder sie durch die Scheibe beobachten. Der Dialog der Jungs spielt deutlich auf die Sorgen der Mutter an und es hätte eigentlich keiner weiteren Klärung der Situation bedurft. Doch der Film lässt dies nicht so stehen, sondern liefert zusätzlich reichlich überzogene Mimik und Gestik. Die Adressaten werden mit diesem Film somit verfehlt. Und wenn sie in einzelnen Szenen doch erreicht werden, so sind sie mit der klischeeüberladenen Story unter- und/oder überfordert.

Rico, Oskar und das Herzgebreche ist eine halbdurchdachte Umsetzung des Romanbestsellers von Andreas Steinhöfel. Sehenswert ist durchaus die darstellerische Leistung der beiden Hauptdarsteller. Konzentriert der Zuschauer*in sich auf Freundschaft von Rico und Oskar, so sind die 95 Minuten nicht ganz verschenkt.