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Titel: „The Jungle Book“
Vereinigte Staaten/2016
Regie: Josh Boone
Buch: Adaption der gleichnamigen Erzählungen von Rudyard Kipling
Drehbuch: Justin Marks
Musik: John Debney
Kinostart: 14.04.2016/DVD: 01.09.2016
FSK: ab 6 Jahre

Rezension
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Übersicht
Favreau, Jon (Regie): The Jungle Book
Das neue Gesetz der Dschungel
von Anne Griepentrog, Johanna Hodler und Katrin Roring

„Dies sind die Gesetze der Dschungel, so alt und so klar wie das Licht. Der Wolf, der sie hält, wird gedeihen, und sterben der Wolf, der sie bricht. […] Die Stärke des Packs ist der Wolf, und die des Wolfs ist das Pack.“ (Rudyard Kipling)

Nach diesem Gesetz lebt auch der Menschenjunge Mowgli, der seit früher Kindheit im indischen Dschungel unter Tieren aufwächst – wer kennt die Geschichte nicht: Gefunden von dem Panther Baghira, wurde er von der Wolfsmutter Raksha liebevoll und wie ihr eigenes Kind aufgezogen. Doch der rachsüchtige Tiger Shir Khan, dessen Gesicht durch einen Menschen zur Hälfte verbrannt wurde, ist auf der Jagd nach Mowgli, da er die Menschen aus dem Dschungel vertreiben möchte. So beginnt eine Flucht durch den Dschungel mit dem Ziel, Mowgli zurück zum Dorf der Menschen zu bringen. Doch auf dem Weg dorthin verlieren sich Mowgli und sein Beschützer und Freund Baghira. Und so lernt Mowgli auf seinem Alleingang verschiedene Tiere, neue Freunde und Feinde kennen und gerät dabei immer wieder in brenzlige Situationen.

„Das Dschungelbuch“ gehört sowohl zu den Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur als auch des Kinder- und Jugendfilms, die Adaption von Wolfgang Reithermann aus dem Jahre 1967 ist einer der erfolgreichsten Zeichentrickfilme überhaupt. Daher werden an die Neuverfilmung „The Jungle Book“ vom Regisseur Jon Favreau, der bereits mit Neuverfilmungen wie „Alice im Wunderland“ und „Maleficent – Die dunkle Fee“ (= „Dornröschen“) überzeugte, hohe Erwartungen gestellt, die insbesondere durch die heute möglichen, faszinierenden Animationstechniken erfüllt werden. Und nicht nur die Tiere, sondern auch die Darstellungen des Dschungels sind deutlich detaillierter und greifbarer als je zuvor. Favreau und Disney betreten insofern eine neue Dimension der Filminszenierung, denn die visuellen Effekte stechen besonders hervor und tragen die Geschichte. Körpersprache sowie die Mimik der Tiere sind besonders lebensecht, wirken allerdings etwas künstlich durch die starke Vermenschlichung. Diese insgesamt überzeugende Umsetzung schafft besonders bei den Begegnungen Mowglis mit den überlebensgroß dargestellten Tieren Kaa und King Louie eine düstere, gar bedrohliche Atmosphäre.

„The Jungle Book“ ist zudem ein spannungsgeladener Film, in dem den Tieren ‚ihre natürlichen Charaktereigenschaften‘ zurückgegeben werden: So wird die lustige und chaotische Elefantenpatrouille aus Reithermanns „Dschungelbuch“ durch die Darstellung der Elefanten als ruhige, erhabene und gar anmutige Könige des Dschungels gleichsam neu erschaffen. Und somit nimmt die Neuverfilmung stärkeren Bezug auf die 1894 und 1895 erschienenen Romane des Nobelpreisträgers Rudyard Kipling. Denn auch diese zeigen die schrecklichen Seiten des Dschungels, wie zum Beispiel die ausführliche Beschreibung des Beutezugs Kaa’s in der Stadt der Affen. Deshalb wirken die zwei Songklassiker „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ und „Ich wär so gern wie du“ aber auch eher fehl am Platz. Die Lieder scheinen dem Zweck zu dienen, die Erwartungen der Zuschauer*innen an ein Wiedersehen bzw. Wiederhören zu befriedigen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass „The Jungle Book“ in Bezug auf den Klassiker „Das Dschungelbuch“ weniger Gemeinsamkeiten aufweist als erwartet und sich in als Neuinterpretation der Werke Kiplings deuten lässt, die in vielerlei Hinsicht eine technische Meisterleistung darstellt. Dabei ist der Film insgesamt wesentlich ‚mystisch aufgeladener‘, spannungsreicher und actionlastiger als seine filmischen Prätexte und lädt somit eher Jugendliche als Kinder ins Kino ein. „The Jungle Book“ ist zwar von der FSK für Kinder ab 6 Jahren freigegeben, für diese Altersgruppe aber, wenn überhaupt, nur in Begleitung eines Erwachsenen geeignet, weil ‚das neue visuelle Gesetz des Dschungels‘ Schönheit durchsetzt von Härte widerspiegelt.