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Ende, Michael:
Momo
Oder die seltsame Geschichte von den Zeitdieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.
Ein Märchenroman.
Stuttgart: Thienemann 2000.
(Erstauflage 1979)
304 S., € 9,90.


Rezension
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Übersicht
Ende, Michael: Momo
Ach, du meine Zeit!
von Bettina Hurrelmann und Barbara Quadflieg

vgl. Sammelrezension "Zeit als Thema in der KJL"

Bücher, die Heranwachsende zu kritischer Nachdenklichkeit gegenüber Zeitdiktaten anregen können und das naive Erleben von Zeit und Gegenwart irritieren, sind derzeit rar auf dem kinderliterarischen Markt. Es lohnt sich daher, an „Momo“ zu erinnern, Michael Endes Protest gegen die kapitalistische Enteignung von Zeit. Der Märchenroman lässt schon Kinder erfahren, dass Zeit eben keine materiell-kalkulierbare Größe ist, sondern eine unschätzbare und unveräußerliche Gabe. Menschliche Lebenszeit kann erfüllt oder leer, geglückt oder unwiederbringlich vertan sein. Momos Kampf gegen die grauen Herren von der Zeitsparkasse ist ein Kampf gegen die Zwänge der Rationalisierung und Verwertung – eine Plädoyer für eine widerständige, selbstbestimmte, sinnhafte Gestaltung von Zeit. Vergeblich versucht Momo, ihren Freunden zu erklären, dass sie, indem sie Zeit zu sparen meinen, um Glück und Freundschaft betrogen werden. Genau auf diese Verblendung haben es die grauen Herren angelegt, um sich in den Besitz aller Zeit bringen zu können. Dass der Coup nicht gelingt, sondern Momo die Gefahr abwenden kann, ist märchenhafte Fiktion – aber zugleich auch mehr als dies: Denn das Gleichnis macht deutlich, dass jeder und jede für sich selbst versuchen muss, dem vermeintlichen Zeitgewinn die Qualität der eigenen Zeit entgegenzusetzen.